Zeitepochen

1. Altertum (ALT)

Kulturgeschichtlicher Hintergrund
Neben dem Zeitraum der mediterran-vorderasiatischen Zivilisationen wird darunter auch die Antike (das griechisch-römische Altertum) erfasst.
Den Beginn des Altertums markiert die Ausbildung der Schrift und der Kulturen der Ägypter, Sumerer und Babylonier sowie der frühen Mittelmeerkulturen. Etwa 800 bis 600 v. Chr. entwickelte sich daraus die den Mittelmeerraum beeinflussende Kultur der Griechen und später die der Römer, die sich bald über ganz Europa ausbreitete.

Möbel
Typische Möbel des Altertums waren schlichte Sitzmöbel, in der Antike kamen einfache Tische, Ruhebetten, Hocker und Stühle hinzu.

Kleidung
Griechische Antike
Die griechische Kleidung kannte noch keine Schnittkonstruktion. Die Grundlage jeder Kleidung war ein rechteckiges Stück Stoff, das in unterschiedlicher Länge und Weite umgelegt wurde. Das Hauptgewand der Frau wurde in Falten um den Körper gelegt. Auf der Schulter wurde es mit Schmuckspangen gehalten. Eine Gewandform war der sog. Peplos. Er bestand aus einer Stoffbahn, die länger als die Trägerin war und deshalb oben umgeschlagen wurde. Man trug ihn gegürtet und auf einer Seite offen. Eine weitere Gewandform war der Chiton. Er bestand aus zwei zusammengenähten, meist plissierten Stoffbahnen. Das Stoffstück war ebenfalls länger als die Trägerin und wurde in der Taille hoch gerafft. Außer Haus trug man das Himation, ein ungefähr vier Meter langes rechteckiges Stoffstück, das man links über die Schulter warf und mit dem man auch den Kopf bedeckte.

Das Hauptgewand des Mannes hieß Chläna und war vergleichbar mit dem Peplos der Frauen, allerdings kürzer. Außerdem trug der Mann den kurzen Chiton. Darüber trug er wie die Frau das Himation. Bei Kriegern, jungen Männern und Wanderern war der kurze Mantel, die Chlamys, beliebt. Sie wurde von links nach rechts umgelegt und war ebenfalls ein rechteckiges Stück Stoff. Meist wurde ein großer, schützender Hut, der Petasos, dazu getragen.

Römische Antike
Wie vieles aus der griechischen Kultur haben die Römer auch wesentliche Teile der griechischen Kleidung übernommen. Die Kleidung des Mannes waren Tunika und Toga, sie entsprachen dem Chiton und Himation. Die Tunika war ein ärmelloses Gewand, das man gürtete. Darüber trug der römische Bürger die Toga. Anfangs noch schlicht wie das griechische Himation, wurde sie zur Kaiserzeit aufwändig und luxuriös. Sie entwickelte sich zu einem Kleidungsstück von ca. fünf Metern Länge und drei Metern Breite. Ihre Form glich einer Ellipse. Für den praktischen Gebrauch hatte der einfache Mann einen kurzen, geschlossenen Wettermantel, später auch mit Kapuze, die Paenula. Die Frauen trugen oft mehrere Tuniken übereinander. Darunter legte man, um der Brust Halt zu geben, das Busenband, das Strophium, an. Über der Tunika wurde als Oberkleid die Stola getragen, darüber der Mantel, die Palla.

Altertum Altertum Altertum Altertum Altertum Altertum Altertum
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2. Mittelalter (MIT / ROM / GOT)

Kulturgeschichtlicher Hintergrund
Mit dem Ende der Völkerwanderung begann die Epoche des Mittelalters. Es fand eine Christianisierung statt und die politische und kulturelle Dominanz des griechisch-römisch geprägten Mittelmeerraums wurde durch christliche Feudalstaaten romanischer, germanischer, slawischer und keltischer Völkerschaften abgelöst. Die Gesellschaft war nach Ständen geordnet und in Kunst, Literatur und Wissenschaft wurde eine christliche Geisteshaltung vertreten. Latein galt als gemeinsame Kultur- und Bildungssprache. Es war die Blütezeit des Rittertums, Lehnswesens und Minnegesangs.

Möbel
Typische Möbel waren grob gezimmerte und mit Eisen beschlagene Universalmöbel wie Tische, Stühle, Betten und Truhen. Als Holzart wurde meist Eiche verwendet.

Kleidung
Die Kleidung des frühen Mittelalters wurde stark geprägt durch die byzantinische Mode.
Die Kleidung der Franken zeigte natürlich auch germanische Elemente. Germanische Grundformen waren vor allem in Kittel und Hose der einfachen Bevölkerung sichtbar. Elemente byzantinischer Mode wie die Tunika blieben in der Frauenkleidung und in den Ornamenten hoher Würdenträger erhalten. Im 9. und 10. Jahrhundert prägten die westeuropäische Tracht des Mannes drei Teile: Hose, Hemdrock und Mantel. Der Hemdrock wurde gegürtet, der Mantel umgelegt und auf der rechten Schulter mit einer Spange gehalten. Der runde Mantel wurde häufig mit einer Borte an der Außenkante besetzt. Lange gallische Hosen, teilweise mit Kniegürtung und Wickelung, hatten sich durchgesetzt. Charakteristisch für diese Zeit wurden die aus Byzanz übernommenen Zierborten. Im 10.Jahrhundert hatte die lange, ungegürtete Tunika als offizielle Tracht den kurzen fränkischen Hemdrock abgelöst. Als kaiserlicher enger Prunkrock hieß sie Dalmatika und wurde über einer langen Tunika getragen. Die Frau des 9. und 10. Jahrhunderts trug weiterhin die lange Ärmeltunika, über die eine zweite kürzere, weitärmelige gezogen wurde, sodass die engen Ärmel der ersten sichtbar wurden. Die antike Palla, die als Mantel diente, wurde beim Ausgehen über den Kopf gezogen.
In der Männerkleidung des 11. Jahrhunderts herrschte der knielange Wollrock mit Gürtel und langen engen Ärmeln vor. Darunter trug man zumeist ein leinenes Hemd. Vornehme Männer bevorzugten die lange Tunika mit byzantinischem Dekor. Aus Byzanz kamen farbige Strümpfe, sie wurden an die kürzer werdende Hose geheftet. Das Obergewand der Frau war teilweise verkürzt und so verengt, dass es die Körperformen leicht betonte: der erste Schritt zu einer eigenen mittelalterlichen Tracht. Die untere Tunika wurde zu einem langen Gewand mit engen Ärmeln, die immer sichtbar blieben. Dieses Prinzip des Doppelkleides blieb bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Mode. Eine weitere Neuerung war das Kopftuch, das für die verheiratete Frau unerlässlich wurde. Der Mantel behielt für beide Geschlechter die Umwurfform. Er wurde um die linke Schulter gelegt und auf der rechten Seite mit einer Spange geschlossen. Allmählich setzte sich allerdings der Vorderschluss durch. Insgesamt nahmen die Gewänder immer mehr Form an. Das Frauenkleid wurde geschnürt und an den Seiten gebunden. Zu seiner Anfertigung bedurfte es immer größerer Geschicklichkeit. Wie zuvor schon in Frankreich, kam nun auch in Deutschland das Schneiderhandwerk auf.

Die modische Tendenz hin zum 13. Jahrhundert hieß schlank, schmal, hoch und entsprach damit dem architektonischen Baustil der Zeit. Die Entdeckung der Taille machte den Zuschnitt erforderlich. Weitere Neuheiten waren Verschlüsse, Knöpfe und Knopflöcher. Der Rock des Mannes reichte im 12. Jahrhundert noch bis zu den Knöcheln und war am Saum mehrfach geschlitzt. Über einem langärmeligen Unterrock wurde ein ärmelloser Überrock getragen, dessen Ärmelschlitze oft mit Pelz verbrämt waren. Der halbkreisförmig geschnittene Mantel galt als Prunkkleid der Ritter und Edelleute. Er wurde mit zwei Schmuckplatten (Tasseln) und einer Kette (Fürspann) unter dem Kinn geschlossen. Die Frauenkleidung bestand aus einem Unter- und einem Obergewand. Das Untergewand (Cotte) war hemdartig, hatte lange Ärmel und reichte bis zum Boden. Das Obergewand (Surkot) betonte Busen und Taille und verlängerte sich zur Schleppe (Svenzelin). Im 12. Jahrhundert lagen die Ärmel bis zum Handgelenk eng an und erweiterten sich so stark, dass die Ärmelenden oft bis zum Boden herabfielen. Um das Jahr 1300 wurde ein ärmelloses Obergewand (Suckenie) getragen. Das Untergewand schmückte ein tief sitzender Gürtel, ein Brustschlitz machte einen kleinen Halsausschnitt möglich. Die typische Kopfbedeckung der Frau war das Gebende, es bestand aus weißem Leinen in der Form einer Krone und wurde von einem Kinnband gehalten. Beliebter Kopfschmuck für Mann und Frau waren ein Blumenkranz oder das Schapel, ein Reif aus Metall, den man mit Edelsteinen und Blumen schmückte.

Die Mode des 14. Jahrhunderts war geprägt von einer Überbetonung der Körperformen. Der Rock des Mannes wurde verengt und verkürzt, bis er nicht mehr über den Kopf zu ziehen war. Man schnitt ihn der Länge nach auf, um ihn durch Schnüre und Knöpfe wieder zu schließen. Aus dem Hemdrock war eine kurzschößige Jacke geworden, Jaquette oder Schecke genannt. Zu dieser Jacke trug man eine farbige Strumpfhose. Die durch den Schnitt erreichte Taillierung machte den Gürtel überflüssig, der Gürtel (Dupsing) diente nun zur Befestigung der Tasche und des Dolches. Die typische Kopfbedeckung war die Gugel, eine Kapuze mit Schulterkragen, die nur das Gesicht frei ließ. Die Frauenkleidung verengte sich ebenfalls so sehr, dass sie nicht mehr über den Kopf gezogen werden konnte und ein Knopfverschluss nötig wurde. Die Cotte lag eng an, das ärmellose Obergewand, die Surkot oder die Suckenie genannt, ebenfalls. Sie war an den Seiten offen, sodass man durch die „Teufelsfenster“ den schlanken Wuchs zu erkennen vermochte. Große Ausschnitte und Gürtel (Dupsing) schmückten die Oberkleider, die in einer Schleppe (Svenzelin) ausliefen. In Frankreich kam die Zaddelung auf – man ließ Mäntel und Kleider an Ärmeln, Säumen und Ausschnitten auszacken (auszaddeln). Aus Deutschland kamen die Schellen. Die gezaddelten Gewänder wurden zusätzlich mit Schellen und Glöckchen geschmückt. Frauen trugen Hauben in verschiedenen Variationen. Der Kruseler entwickelte sich aus dem Kopftuch, mehrere Krausen nebeneinander bildeten eine Haube, die das Gesicht einrahmten. Ende des Jahrhunderts kamen die Hörnerhauben und der Hennin auf. Als Fußbekleidung dienten pantoffelartige Schnabelschuhe.

Im 15. Jahrhundert führte die burgundische Mode den Kleiderluxus zum Gipfel. Man steigerte die bisherige Tendenz, schlank und spitz, zur höchstmöglichen Stilisierung des menschlichen Körpers. In der Männermode wurden die Schultern und die Brust des Jacketts wattiert, sodass die Taille schmaler erschien. Die Jacke wurde oft in Falten gelegt. Durch die Kürze und Enge der Jacke entwickelten sich die Beinlinge zur Strumpfhose. Daneben trug man ein dekoratives, gezaddeltes, mantelartiges Gewand mit oft schleppenden Ärmeln (Houppelande). Eine beliebte Kopfbedeckung war die Sendelbinde, ein kissenartiger, mit Seidenbändern garnierter Hut. Die Frauen trugen ein weites Obergewand. In der Taille kam es zur Faltenbildung, die von einem Gürtel zusammengehalten wurde. Das Dekolleté, meist mit reversartigen Blenden oder Pelz besetzt, spitzte sich zu und endete in der hoch sitzenden Taille. Phantastische Ausmaße nahmen die Schleppen der Frauengewänder an, die auch als Teufelsschweife bezeichnet wurden. Das Obergewand hatte meist eng anliegende Röhrenärmel, es gab aber auch Flügel-, Beutel- und Sackärmel. Die Kopfbedeckungen, wie z. B. der Hennin, die Hörnerhaube und die Flügelhaube nahmen oft so monströse Formen an, dass Damen kaum noch ungehindert die Türen passieren konnten. Männer und Frauen trugen pantoffelartige Schnabelschuhe, deren Spitzen zeitweise so lang waren, dass man sie mit einem Band anheben musste. Darunter band man auf der Straße Unterschuhe aus Holz, die sogenannten Trippen.

Mittelalter Mittelalter Mittelalter Mittelalter Mittelalter
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3. Renaissance (REN)

Kulturgeschichtlicher Hintergrund
Renaissance heißt Wiedergeburt. Der Begriff, italienisch rinascità, wurde zuerst von dem Maler und Kunsthistoriker Giorgio Vasari 1550 für die noch heute so bezeichnete Kunstrichtung gebraucht. Vasari meinte eine Wiedergeburt der Kunst – nicht der Antike. Doch galt ihm die Antike neben der Natur als die Quelle, aus der die Kunst schöpfen müsse. Die „Wiedergeburt“ sah er nach dem „Verfall“ der vergeistigten Kunst des Mittelalters schon bei den großen italienischen Meistern des 13. und 14. Jahrhunderts angebahnt, die wie Giotto monumentale Körperdarstellung und räumliche Klarheit oder wie die Pisani ein an der Antike geschultes Menschenbild außerhalb des eigentlich gotischen Stils errungen hatten. Heute verstehen wir unter Renaissance im engeren Sinn die italienische Kunst vom frühen 15. Jahrhundert an, als sie sich vom Mittelalter löst, bis ca. 1530, als sie in den Manierismus übergeht. Die Renaissance bringt den geistigen Durchbruch zur Neuzeit, der in erster Linie in der Kunst erfolgte.
(Buch „Europäische Stilkunde“ Eva Bösch-Supan, 1985, S. 117)

Möbel
Das Kunstgewerbe der Renaissance diente zum größeren Teil profanen Zwecken; dieser Bereich entfaltete sich mit der rapide steigenden Wohnkultur, während der kirchliche Bereich stagnierte. Unter den Möbeln der italienischen Renaissance war die Truhe das wichtigste Stück. Zunächst meist figürlich bemalt, wurde sie im späteren 16. Jahrhundert wie die anderen Möbel mit Schnitzerei verziert. Die übrigen Möbel, besonders Schränke, hatten oft einen architektonischen Charakter. Pilaster, Karyatiden oder Konsolen gliederten die Flächen senkrecht, Friese und Gesimse waagerecht. Der perspektivisch-illusionistische Charakter der Malerei übertrug sich auch auf die Textilkunst, besonders die Teppiche, für die oft bedeutende Künstler, z. B. Raffael, Kartons zeichneten. Teppiche wurden innerhalb eines bordürenartigen Rahmens als Gemälde aufgefasst, dessen Größe sie jedoch oft überstiegen. Sie wurden meist in Zyklen entworfen (mit historischen, mythologischen oder allegorischen Themen) und schmückten einen Raum rundum aus wie Fresken. Die Form der Gefäße war breit, gebaucht und im Umriss klar. Sie waren meist größer als entsprechende gotische Gefäße. Zu den traditionellen Materialien Ton und Metall trat vor allem Glas und Fayence hinzu.
(Buch „Europäische Stilkunde“ Eva Bösch-Supan, 1985, S. 185f)

Kleidung
Die Kleidung betonte eher die Waagrechte und die Rundung, sodass die Proportionen wieder mit den natürlichen Formen des Körpers übereinstimmten. Die Kleidung des Mannes bestand aus Hemd, Wams oder Rock, Hose und dem Übergewand, der Schaube. Das gefältelte Hemd füllte den Ausschnitt des Wamses aus. Die Ärmel waren meist gebauscht, gepufft und geschlitzt. Die Hose war nicht mehr so eng und teilte sich in Kniehose und Strümpfe, an den Knien waren sie teilweise auch mit Schlitzen und Bauschen versehen. Die Schaube hatte oft einen Schulterkragen und weite, bauschige Ärmel, sie endete unterhalb des Knies. Kragen und Saum wurden oft mit Pelz besetzt. Die Kleidung der Frau bestand aus Hemd, Unterkleid und Oberkleid. Das Hemd war am Hals gefältelt und zu einer Krause zusammengezogen. Das enge Oberkleid und der Rock waren durch den Schnitt voneinander getrennt. Der Rock war rund geschnitten und verlor die Schleppe. Er hatte viele Falten in der Taille, breite Blenden am Rocksaum betonten die Rundung. Das Dekolleté war rund oder viereckig, die Ärmel lang, eng und an den Ellenbogen aufgeschlitzt. Durch die Schlitze kam das farblich abstechende Unterkleid zum Vorschein. Das Unterkleid hatte weite Ärmel und einen weiten Rock. Die Schaube wurde auch von Frauen getragen, meist versehen mit einem Stehkragen und Armschlitzen. Männer wie Frauen trugen als Kopfbedeckung das Barett, eine flache Kappe, die mit Straußenfedern geschmückt war. Daneben trug die Frau außerdem die Kugelhaube. Männer wie Frauen trugen breite, ausgeschnittene Schuhe, Bärentatzen oder Kuhmäuler genannt.

Renaissance Renaissance Renaissance Renaissance Renaissance Renaissance Renaissance Renaissance Renaissance
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4. Barock (BAR / FLA / REG)

Kulturgeschichtlicher Hintergrund
„Barocco“, schiefrund, war die Bezeichnung für unregelmäßige Perlen und im übertragenen Sinn für wirre und überfrachtete Gedanken in Philosophie und Literatur. Mit diesem negativen Akzent wurde der Ausdruck in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert., unmittelbar nach dem Abklingen des Barock, auch auf die bildende Kunst übertragen, und zwar nicht nur auf die eben vergangene Epoche, sondern generell auf alles, dem man unreinen Geschmack und Überladenheit vorwarf. Als Epochenbezeichnung für die Kunst zwischen der Renaissance und dem Klassizismus (ca. 1600 bis 1750) wurde es von der Kunstgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts übernommen. Im Barock kam vor allem ein dynamisches Grundgefühl zum Ausdruck. Dies unterschied ihn vom Manierismus, dessen kleinteilig verwirrende, additiv aufgereihte Formvielfalt er zusammenfasste, straffte und ins Großzügige steigerte, wie auch von der Renaissance, auf die er sich bezog, deren Ruhe und Logik er jedoch immer wieder in einem großzügigen Schwung durchbrach. Der Kreis als Grundform wurde zum Oval gedehnt, statt ruhender geschlossener Formen wurden Achsen aufgerissen, Kontraste gesucht und zur Steigerung des Gesamteindruckes benutzt.
(Buch „Europäische Stilkunde“ Eva Bösch-Supan, 1985, S. 187f)

Möbel
Da der Barock wie keine andere Epoche das Gesamtkunstwerk erstrebte, wurden alle Gattungen des Kunstgewerbes gepflegt, die sich in den Innenraum integrieren ließen und seine Festlichkeit steigerten. Das waren in erster Linie Möbel, deren Schmuck dieselben rauschenden Akanthus-Ornamente erhielt wie die Stukkatur. In den Schlössern waren die Prunkmöbel in die Ausstattung einbezogen. Spiegel in reichgeschnitzten Rahmen, unter ihnen Konsoltische, Reihen von Stühlen erhielten im Raumgefüge einen festen Platz. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde vor allem Silbergeschirr beliebt. Es hatte die Reste der nachgotischen Akeley-Becher abgestreift und zeigte auf breiten Grundformen getriebenes fülliges Blattwerk mit Rosetten. Um 1700 verloren auch die Möbel die letzten Reste kleinteiliger, schreinerhafter manieristischer Gestaltungsweise. Bürgerliche Möbel nahmen an dieser Formenentwicklung teil. Hier verband sich das plastische Schnitzwerk mit der natürlichen Holzfarbe, oft im Kontrast zweier Holzarten. Aus den kastenhaften Schränken des 17. Jahrhunderts wurde um 1700 ein einheitliches, quasi architektonisches Gebilde. Die Teilung in zwei querformatige (noch aus Truhen entwickelte) Teile entfiel, über eine Sockel-Zone mit Schubfächern ging die Wand von Pilastern gerahmt bis zu einem Gesims durch.
(Buch „Europäische Stilkunde“ Eva Bösch-Supan, 1985, S. 226ff)

Kleidung
Die Barockmode entstand am Hof Ludwigs XIV.. Davor gaben in der Mode nicht die Höfe, sondern Soldaten den Ton an. Wichtige Anregungen für die Männertracht lieferte der Dreißigjährige Krieg. Die Offiziere trugen das sogenannte Kollett aus Leder, eine Weste, die meist mit einer Schärpe gebunden wurde. Daraus entstanden Weste und Rock. Der neue Rock bedeckte die Kniehose vollständig. Der aus der spanischen Mode kommende Mühlsteinkragen, inzwischen so breit, dass er kaum noch in Form zu halten war, fiel jetzt als flacher Kragen auf die Schultern. Zur Uniform und im Alltag setzte sich der große Filzhut durch. Man trug Halbschuhe mit Absatz und hohe Stulpenstiefel. Die Frauenmode orientierte sich stark an der Männermode. Spitzenkragen und Manschetten kamen auf. Man verzichtete auf den spanischen Reifrock. Die Betonung der Hüfte erreichte man durch zahlreiche Unterröcke. Frauen trugen ebenfalls den großen, weichen Filzhut.

Unter Ludwig dem XIV. entwickelte sich die Kleidung prunkvoll und höfisch. Zu Kniehosen trug man den geschlossenen Knöpfrock aus Samt, Brokat oder reich bestickter Seide. Er erhielt später breite Ärmelaufschläge und große Taschen. Weste, Kniehose und Knöpfrock wurden die drei Hauptbekleidungsstücke des Mannes. Spitzenhalstücher können als Vorläufer der Krawatte betrachtet werden. Die Männer ließen ihr Haar bis über die Schultern fallen. Wer hier nicht mithalten konnte, trug eine Perücke. Um 1700 hatte die Allongeperücke ihren Höhepunkt erreicht, die Locken fielen bis zur Taille. Der Schlapphut war flacher geworden und man schlug den Rand erst an vier dann an drei Ecken um: der künftige Dreispitz. Die Fußbekleidung waren Halbschuhe mit hohen Absätzen. Die Lasche war mit Bändern, Rosetten und später mit Schnallen versehen. In der Frauenmode schob sich die Taille durch den jetzt kleineren, viereckigen Ausschnitt noch tiefer auf den runden Rock. Der halblange Ärmel war am Ellenbogen mit Spitzen und Schleifen versehen. Auch das Mieder wurde mit Schleifen besetzt. Der obere Rock (Manteau) war vorne geteilt, wurde nach hinten leicht angehoben und bauschte sich in schweren Falten, um in einer langen Schleppe auszulaufen. Zum Ausgang trug man Mantillen, die gleichzeitig über den Kopf gelegt werden konnten. Die Haare trug man hoch frisiert. Modische Accessoires waren Handschuhe und Faltfächer. Das Gesicht war mit weißer und roter Schminke bedeckt. Darauf wurden schwarze Schönheitspflästerchen, Mouches, geklebt.

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5. Rokoko (ROK / CHI / LOV / LVI)

Kulturgeschichtlicher Hintergrund
Das Rokoko wuchs in Frankreich organisch aus der Régence. Es umfasste politisch etwa die Regierungszeit Ludwigs XV. (1723-74), geistig war es die Epoche der Aufklärung. Die Regierungsform war die des aufgeklärten Absolutismus: die Macht des Königs, prinzipiell noch immer absolut, wurde doch, oder sollte wenigstens, unter vernünftigen Gesichtspunkten ausgeübt werden. Am Ende der 1720er Jahre erhielt die Régence-Ornamentik mehr Schwung und Kraft, das Linienspiel wurde dichter, Naturelemente (Blüten, Muscheln, Zweige) traten häufiger hinzu, während sich die Figuren der Grotesken verloren und statt ihrer Putten vorkamen. Als entscheidendes Zeichen der Lockerung des älteren Formengefüges wurde die Rocaille seit etwa 1740 asymmetrisch. Ihr Schwung verlor die letzten Geraden und Ecken. Der band- und lappenartig gedehnte Muschelrand erhielt gegenständliche Wirkung. Ähnlich wie im frühen 17. Jahrhundert wurde er teigwerkartig gedehnt, erhielt Löcher oder knorpelige Ränder. Dann erschien die Rocaille als erdhafte oder wasser- und grottenartige Materie. Aus ihr wurde ein phantastisches Gebilde wie eine Gartenarchitektur mit eingefügten geschwungenen Gesimsen, mit Lattengittermustern, Brunnen und Vasen aufgebaut.
(Buch „Europäische Stilkunde“ Eva Bösch-Supan, 1985, S. 236)

Möbel
Das Kunstgewerbe des Rokoko war vor allem profan. Neuartig gestaltet wurden die Möbel und die Gegenstände des privaten Gebrauchs und Luxus. Schon am Anfang des 18. Jahrhunderts gab es neben den schweren Louis-XIV-Möbeln kleinere, die mit Flächenmusterung wirkten. Zu verschiedenfarbigen Hölzern kamen Lacke mit chinesischen Motiven. Die Möbel, die seit der Régence zierliche Formen hatten, entwickelten im Rokoko Bequemlichkeit und technisches Raffinement. Kommoden, Sekretäre, Stühle und Sofas waren die hauptsächlichen Möbel der Salons. Außer den Deckplatten blieb keine Form gerade. Die Vorderwände bauten sich nach vorn oder schwangen mehrfach aus und ein, Kanten und Füße waren geschwungen. Metallbeschläge mit Rocaillen und Pflanzenwerk fassten die Kanten ein und bildeten kunstvolle Griffe. Stühle waren mit der gleichen Seide bezogen, die auch die Wandbespannung bildete.
Geschirr verlor teilweise seinen repräsentativen Schauwert und erhielt eine ebenso zweckmäßige wie erlesene Gebrauchsform. An der Spitze der Beliebtheit stand das neue Material, das Porzellan. Die Anklänge an Silberformen sowie an chinesischen Vorbildern gingen zurück, es entstand eine geschmeidige, runde, selbstständige Form vor allem mit Blumenmalerei. Porzellanfigürchen dienten häufig als Tafelschmuck und ersetzten ältere, aus Zuckerwerk geformte Dekorationen.
(Buch „Europäische Stilkunde“ Eva Bösch-Supan, 1985, S. 244ff)

Kleidung
Die Kleidung des Mannes bestand weiterhin aus Rock, Weste und Kniehose (Culottes). Das Prunkstück des Anzugs war die helle Weste. Sie war langschößig und bedeckte die Kniehose fast ganz. Die Weste schloss hoch, ließ aber das Spitzenjabot sehen. Es gehörte zu einem weitärmeligen Hemd, dessen Ärmelspitzen aus dem Rockärmel schauten. Der Rock war aus Samt oder Brokat und ausgestattet mit wertvollen Zierknöpfen. Die Halbschuhe des Mannes hatten breite Laschen und große Schnallen. Dazu trug er einen Dreispitz. Die zurückgekämmten Nackenhaare wurden in einen schwarzen Taftbeutel gesteckt, auf dem eine Schleife saß. Das Haar wurde gepudert. Die Frau trug unter dem Kleid einen ovalen Reifrock, dessen Skelett aus fünf Eisenreifen bestand, und ein Korsett. Die Weite des Reifrocks lag auf den Seiten. Die Taille des Kleides wurde spitz nach unten geführt und bildete sich zur Wespentaille aus. Spitzen, farbig kontrastierende Rüschen und Schleifen schmückten Ärmel und Ausschnitt. Die Farbe der Taille und des oberen Rockes, der sich über einem zweiten, runden Rock öffnete, waren meist gleich. Spitzentaschentuch, Muff, Handschuhe, eine Beuteltasche, Pompadour und der Stockschirm ergänzten die Kleidung. Das Haar trug man in Löckchen dicht an den Kopf angelegt. Später wurde das Haar weiß gepudert. Im Spätrokoko nahm die Frisur riesige Ausmaße an. Das Gesicht wurde immer noch stark geschminkt und mit Schönheitspflästerchen beklebt.

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6. Klassizismus/Empire/Biedermeier (KLA / EMP / BIE / EKL)

Kulturgeschichtlicher Hintergrund
Klassik bezeichnet eine Epoche der Vollendung, Klassizismus eine spätere, sich an diese Vollendung anlehnende Epoche. Der Begriff Klassizismus kommt von der Kunstwissenschaft, trifft aber das Selbstverständnis der Epoche, da sie ihre Werke als „im klassischem Stil“ oder „im griechischem Stil“ entworfen bezeichnete. Diese zeitgenössische Bezeichnung setzt zweierlei voraus: erstens, dass man bewusst ein Vorbild nachahmte, zweitens, dass es neben dem klassischen bereits andere Stilvorbilder gab. Nachahmung gehörte ausdrücklich zum Programm der Zeit und unterschied sich durch ihre Intensität von früheren Anlehnungen an die Antike, wie z. B. die Gotik. Der Klassizismus ist der erste Stil, der nicht primär von künstlerischen Kräften ausging, sondern von kunstwissenschaftlichen Erkenntnissen und von einer quasi moralischen Reaktion auf die Formensprache des „frivolen Rokoko“ – also von einer Ideologie.
(Buch „Europäische Stilkunde“ Eva Bösch-Supan, 1985, S. 251f)

Möbel Um 1800 führte die Antikensehnsucht zu einigen Übernahmen antiker Formen: des Stuhltyps mit stark ausbiegenden Beinen, des pompejanischen Ruhebettes, der Löwen- und Greifenfüße als Beine, antiker Vasenformen, Campana-Tassen, etc. Für die meisten modernen Gebrauchsgegenstände gab es aber keine direkten Vorbilder und man beschränkte sich auf antikisierenden Schmuck. Möbel, im Frühklassizismus in England und Deutschland grazil und fast schmucklos, wurden im Empire geradlinig, aber schwer und mit vergoldeten Appliken verziert. Das Porzellan erhielt strenge Form und gegenüber der Blütenmalerei des 18. Jahrhunderts völlig verschiedenen Dekor: starke Farben und bildhafte Darstellungen von Portraits, Landschaften und Gebäuden standen leuchtend neben vergoldeten Partien. Silbergeschirr erhielt eine klare, das Material fast ungeschmückt zeigende Zweckform, die oft bis zur Moderne weiterverwendet wurde. Leuchter und Uhren wurden vergoldet und oft figürlich, im Sinne von Kleinskulpturen oder –denkmälern, gestaltet. Eine Eigentümlichkeit der Zeit war der Eisenguß, der bei Gartenmöbeln oder Geräten feine Durchbruchsornamentik erlaubte.
(Buch „Europäische Stilkunde“ Eva Bösch-Supan, 1985, S. 264f)

Kleidung
Directoire:
Dem verschwenderischen Prunk der französischen Höfe zur Zeit des Rokoko setzte die Französische Revolution ein Ende. Der Mann trug einen zweireihigen, schwarzen Frack aus einfachem Tuch. Dazu eine Hose (pantalons), die bis zur Wadenmitte reichte und knielange Stiefel. Frack und Hosen saßen bewusst schlecht. Ein Halstuch wurde dreifach umgewickelt und über das Kinn gezogen. Als Kopfbedeckung wurde der Zweispitz getragen. Das Haar trug der Mann teilweise „verwildert“ – oder den ordentlichen Tituskopf nach römischem Vorbild. Die Frau schnürte sich nicht mehr wie zur Zeit des Barock und des Rokoko. Sie zeigte nach klassischem Vorbild ihre natürlichen Körperformen (Mode à la grècque). Man trug ärmellose Musselinkleider, die direkt unter der Brust gegürtet wurden und verzichtete auf Unterkleider. Stattdessen trug man ein fleischfarbenes Trikot. Die Säume der Chemisekleider waren mit Stickereien nach griechischen Motiven geschmückt. Dazu kam eine farbige Tunika oder ein Schal. Oft bedeckte ein kurzes Jäckchen nach Art der englischen Spencer den großen Ausschnitt. Dazu trug man absatzlose Sandalen. Die Haare frisierte man nach griechischem Vorbild.

Empire:
Die Herrenkleidung im Alltag glich der im Directoire. Als Hoftracht kam man auf die seidene Kniehose zurück. Dazu trug man einen langen Rock mit hohem Kragen und Weste. Mit einer Art spanischem Umhang und federgeschmückter Toque war die Galauniform komplett. Alles war mit Goldstickereien verziert. Als Fußbekleidung trug man hohe Stiefel oder flache Halbschuhe. Als Haartracht war der Tituskopf beliebt, aber mit Koteletten. In der Frauenmode hatte sich das Chemisekleid kaum verändert. Die schlichten, weißen Gewänder aus Musselin wurden ohne Korsett mit möglichst wenig Unterkleidung getragen. Die Erkrankungen der Frauen infolge zu leichter Bekleidung („Musselinkrankheit“) machten es notwendig, die Kleidung dem Klima anzupassen. Die Kleider bekamen lange Ärmel und weniger tiefe Ausschnitte. Aus Russland kam der Mantel mit dem Pelzwerk nach außen, der Pelzmantel im heutigen Sinne. Das Hauptmerkmal der Empire-Form war der Gürtel, der direkt unter der Brust saß. Das Oberteil war anliegend ausgearbeitet, der Rock wurde faltig, fließend angesetzt. Das Kleid hatte eine angeschnittene Schleppe und meist Puffärmel. Dazu wurden lange Handschuhe getragen. Statt eines Mantels trug man Schals aus Kaschmir oder indische Tücher und einen Turban mit Federn. Die Frisuren blieben griechisch-römisch. Zur festlichen Frisur gehörte ein Diadem nach antikem Vorbild. Die Fußbekleidung waren absatzlose Schuhe und Sandalen.

Biedermeier:
Die Biedermeiermode wurde in Deutschland und Österreich getragen. Typische Stoffmuster waren Streifen-, Blümchen- und Karomuster. Die Herrenmode war farbenfroh, man trug zum blauen, braunen oder grünen Frack eine helle, bestickte Weste und helle Hosen. Frack und Weste waren stark tailliert. Man schnürte die Weste oder trug ein Korsett. Der Kragen des Hemdes („Vatermörder“) wuchs hoch herauf. Um das Jahr 1840 begann man den Kragen über die Krawatte zu schlagen. Die Krawatten wurden nach dem Vorbild der englischen Dandies gebunden. Als Kopfbedeckung diente der Zylinder und der Chapeau Claque. Am Fuß trug der Mann Halbstiefel oder flache, pumpsartige Schuhe. Das Haar wurde gerne gelockt getragen, mit Backen-, Kinn- und Schnurrbart. In der Frauenmode rückte die Taillenlinie wieder auf ihren natürlichen Platz. Man trug Korsett, das zu einer Wespentaille verhelfen sollte. Rock und Ärmel bildeten in ihrer großen Breite das Gegengewicht zur engen Taille („Sanduhr-Silhouette“). Die Kleider wurden mit Bändern, Schleifen, Volants und Faltenpartien verziert. Schinken-, Hammelkeulen- und Elefantenärmel kamen auf, sie waren oben breit, vom Ellenbogen an eng. Der Kleidausschnitt war oft wenig bürgerlich und reichlich groß, darum trug man Umhänge, wenn man ausging. Als Kopfbedeckung trug man große Hauben und die Schute. Sie war aus Seide, Filz, Samt oder Stroh gearbeitet. Ein breites Bindeband hielt die Krempe unter dem Kinn zusammen. Die Schute war mit Schleifen, Blumen und Rüschen verziert. Die Fußbekleidung waren absatzlose Kreuzbandschuhe und Stiefeletten. Das Haar war in der Mitte gescheitelt und an den Seiten zu Schnecken frisiert. Später trug man die Locken bündelweise an den Seiten.

Klassizismus/Empire/Biedermeier Klassizismus/Empire/Biedermeier Klassizismus/Empire/Biedermeier Klassizismus/Empire/Biedermeier Klassizismus/Empire/Biedermeier Klassizismus/Empire/Biedermeier Klassizismus/Empire/Biedermeier Klassizismus/Empire/Biedermeier Klassizismus/Empire/Biedermeier Klassizismus/Empire/Biedermeier Klassizismus/Empire/Biedermeier Klassizismus/Empire/Biedermeier Klassizismus/Empire/Biedermeier Klassizismus/Empire/Biedermeier
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7. Historismus (HIS / GRU)

Kulturgeschichtlicher Hintergrund
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts kennzeichnete ein neu erwachtes Interesse an geschichtlichen Phänomenen. Diese historisierende Betrachtungsweise, der Historismus, erfasste alle Kulturbereiche.

Möbel
Architektur und Kunstgewerbe übernahmen den Formenvorrat älterer Stilrichtungen. Diese Stilimitationen bzw. Stilmischungen reichten von der byzanthinischen über die romanische und gotische Kunst bis hin zur italienischen Renaissance und zum Rokoko. Zur Förderung von Gewerbe und Kunsthandwerk legten Museen Vorbildersammlungen an. Auf die Stilbildung hatten seit 1851 Weltausstellungen großen Einfluss. Durch sie kamen auch japanische, chinesische und orientalische Einflüsse zur Geltung. Mit der Industrialisierung wurden Glas und Elektrizität sowie moderne Nachrichtenmittel wie Telegraf und Telefon verbreitet.
(Buch „Produkt, Form, Geschichte – 150 Jahre deutsches Design“ Fuchs Burkhardt, 1985, S. 130)

Kleidung
Zweites Rokoko (Mode der Krinoline):
Ausgehend von Paris (ca. 1840 bis 1870) ähnelte diese Mode der Rokokomode und wird deshalb zweites Rokoko genannt. Die Kleidung des Mannes blieb jedoch konservativ und wurde immer einheitlicher. Weste, Rock und Hose waren aus dem gleichen Material und später auch in der gleichen Farbe. Der Frack wurde zum Festanzug, der langschößige Gehrock trat an seine Stelle. Die Hose wechselte zwischen Weite und Enge. Hellere, meist gestreifte oder karierte Stoffe wurden mit bordierten Sakkos getragen. Als Kopfbedeckung trug man den Zylinder, flache Filzmelonen und kreisrunde Strohhüte (Kreissäge). Zu festlichen Anlässen den Chapeau Claque. Als Fußbekleidung trug man spitze Knöpf- und Schnürstiefel. Das Haar war gewellt und pomadisiert, Schnurr- und Knebelbärte waren typisch. In der Frauenkleidung ließ sich die Fülle des Stoffes durch Unterröcke nicht mehr in Form halten. So half man sich mit Versteifungen aus Rosshaar (crin) eines oder zweier Unterröcke. Einen solchen Unterrock nannte man daher Crinoline (Krinoline). Später ging man zu einem Reifengestell aus Stahl oder Fischbein über, der Name Krinoline blieb. Um 1865 kam der lange, schleppende Rock auf, wobei der Oberrock aufgerafft werden musste. Daraus entwickelte sich die Mode der Rückwärtsraffung, die ab 1872 zu einem beträchtlichen Bausch anwachsen sollte. Über den weiten Rock konnte man keinen Mantel tragen, man blieb bei Umschlagtüchern und Mantillen. Als Kopfbedeckung trug man zunächst noch die Schute und kleinere Häubchen, danach einen Kapotthut. Die Fußbekleidung waren geknöpfte Stiefel und Halbschuhe. Das Hinterhaar wurde in ein Netz gelegt, den sog. Chignon.

Mode des Cul de Paris:
Cul (Gesäß) gab den Namen für eine Modeepoche, in der ein Kissen oder Metallgestell als Stütze für die hintere Stoffraffung diente. Das Gestell war eine aus Rosshaarpolstern und Stahlschienen hergestellte hufeisenförmige Einlage, die mit Bändern an der Taille befestigt wurde. Die dabei erstrebte Haltung war das Hohlkreuz. Zum Cul de Paris wurde ein geschnürtes Korsett getragen. Die Kleidung des Mannes zeigte demgegenüber nur geringe Veränderungen. Bei Tag war der Gehrock das allgemein übliche Kleidungsstück. Abends wurde der Cut getragen. In der Frauenmode wurde der Rock hinten so hoch aufgebauscht und von der geschnürten Taille so weit abstehend getragen, dass ein Gestell zur Erhaltung der Form nötig war. Über dem schleppenden Rock drapierten sich Paniers oder ein Doppelrock aus anderem Material und Farbe. Daran waren noch Volants, Fransen und Schleifen angebracht. Die Taille war hoch geschnürt und hatte lange, enge Ärmel. Die Frisuren waren umfangreich, man trug Korkenzieherlocken oder die Haare am Hinterkopf in einem Chignon. Diese Moderichtung wandelte sich gegen 1878 hin zu allergrößter Schlankheit. Im Fußbereich wurde der Rock sehr eng gehalten, sodass man nur zierliche Schritte machen konnte. Um das Jahr 1885 bauschte sich die Vertikalität des Rocks erneut auf und es entstand ein breit schleppender Glockenrock mit mehr oder weniger betonter Hüfte. Als Gegengewicht hierzu kamen wieder Ballon- und Hammelkeulenärmel auf, bei gleicher Betonung der Taille. Ein neues Kleidungsstück kam auf: die Bluse. Auch das Kostüm setzte sich in dieser Epoche durch. Als Fußbekleidung trug man Knöpfstiefel.

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8. Jahrhundertwende/Jugendstil (JHW / JUG / REV)

Kulturgeschichtlicher Hintergrund
Die Bezeichnung, ausgehend von der seit 1896 erschienenen, programmatischen Zeitschrift „Jugend“, traf das Selbstverständnis dieser Epoche, in der junge Künstler mit Mut und einer gewissen Naivität den Historismus überwanden und, neue Formen erfindend, die Kunst reformierten. Um 1890 begann die Bewegung von England aus Europa zu erobern und wurde noch einmal zu einem allgemeinverbindlichen Stil.
(Buch „Europäische Stilkunde“ Eva Bösch-Supan, 1985, S. 278f)

Möbel
Eine erste Phase stark kurvig bewegter, sprühender, pflanzenhafter Formen reichte bis gegen 1902; danach hatte sich die neue Formgebung durchgesetzt und zugleich versachlicht. Es folgte eine ruhige, schlichtere, teilweise auch schwere und geometrisch-harte Formensprache bis etwa 1910, als sich die Elemente der Neuen Sachlichkeit aus dem Jugendstil herauszulösen begannen.
Das Ziel der Bewegung ging jedoch über dekorative Neuheiten hinaus auf ein Gesamtkunstwerk oder eine Erneuerung soliden, materialgerechten Handwerks, das alle Gegenstände des Lebens durchdringen sollte.
(Buch „Europäische Stilkunde“ Eva Bösch-Supan, 1985, S. 278f)

Kleidung
Modische Veränderungen zeigten sich in der Herrenmode nur in Einzelheiten. Lediglich Krawatte und Nadel gestatteten eine persönliche Note. Der hohe, steife Kragen, Einreiherweste, Frack, Schoßrock, Cut, Zylinder und die steife Melone prägten das Bild. Dazu kamen die Reiseschirmmütze und Stiefel mit weißen Gamaschen. Die Farben beschränkten sich auf Grau, Braun, Dunkelblau und Schwarz. Die Damenbekleidung änderte sich zunächst nicht wesentlich. Hohlkreuz und Wespentaille (Korsett) blieben typisch. Der Rock fiel zum Boden hin in vielen Glocken leicht schleppend auseinander. Das Kostüm und die Bluse waren feste Bestandteile. Die Frisuren nahmen um die Jahrhundertswende immer ausladendere Formen an. Die Hüte wurden entsprechend größer, der sog. Wagenradhut konnte bis zu 60 cm Durchmesser haben. Als Fußbekleidung trug man halbhohe Knopfstiefel. Auch eine spezielle Sportkleidung kam auf. Beim Autofahren trug man Staubmäntel. Der Feldzug gegen das ungesunde Korsett brachte das sog. Reformkleid hervor, eine Art Sackkleid mit weiten Ärmeln. Das Dekor auf diesen langfließenden Kleidern war in Mustern des Jugendstils gehalten. Es konnte sich modisch jedoch nicht durchsetzen.

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9. Zwanziger Jahre/Art Deco (ZWJ / ART)

Möbel
Bedeutendste Institution für die Entwicklung des Designs war das Bauhaus. Es wurde 1919 von Walter Gropius als Staatliches Bauhaus in Weimar gegründet. Ziel des Bauhauses war es, durch künstlerische und handwerkliche Ausbildung auf die Lebensgestaltung der modernen Industriegesellschaft einzuwirken. Dazu wurden Prototypen von Gebrauchsgegenständen für die serienmäßige industrielle Massenproduktion entwickelt. Man bevorzugte für Möbel industriell hergestellte Materialien wie Stahlrohr und Sperrholz. Kennzeichnend waren klare Linien und der Verzicht auf jeglichen Dekor. Im ästhetischen Erscheinungsbild der Produkte sollte ihre Funktion zum Ausdruck kommen.
(Buch „Produkt, Form, Geschichte – 150 Jahre deutsches Design“ Fuchs Burkhardt, 1985, S. 192)

Kleidung
In der Herrenmode kam es zu einer farblichen Auflockerung. Erstmals gaben Stars von Bühne und Film den Ton an, wie z. B. Richard Tauber und Willy Fritsch. Man trug einen Sakkoanzug, der leicht tailliert war mit gleichmäßig weiter Hose. Das Angebot an Mustern, Karos, Punkten, Melangen und Streifen wurde größer. Zum dunkelblauen Anzug wurde gerne eine helle Weste in Silber- oder Sandfarben gewählt. Als Repräsentations-, Gesellschafts- und Abendanzug wurden weiterhin Gehrock, Cut, Smoking und Frack getragen. Der Cut wurde vielfach durch den Stresemann ersetzt. Neben den festlichen Stehkragenhemden kamen Hemden mit parallel laufenden Kragenspitzen auf. Die Krawatte wurde breiter und farbenfreudiger. Für den Alltag bevorzugte man sportliche Mäntel, wie den Burberry und den Trenchcoat. Am Abend wurden schwarze Capes mit hellem Seidenfutter getragen. Als Sporthose waren Breeches und Knickerbocker verbreitet. Dazu trug man eine Sportjoppe mit aufgesetzten Taschen und Gürtel. Als Kopfbedeckung trug man Schirmmütze, Panamahut, Melone und Zylinder. In der Frauenmode waren Stars wie Pola Negri oder Asta Nielsen große Modevorbilder. Die Selbstverständlichkeit von Autofahren und Sport ließ die knöchellange Mode passé werden. 1924 entstand jene Mode, die als Mode der zwanziger Jahre zum Begriff wurde: kaum knielange Kleider, mit geradem, losem Oberteil und mit in Hüfthöhe angesetztem, plissiertem oder glockig schwingendem Rock. Die Tageskleider waren meist hochgeschlossen und mit einem Bubikragen oder Herrenkragen aufgeputzt. Auch Jackenkleider fanden großen Anklang, gerade und lose geschnitten reichten sie bis unter die Hüften. Anstelle der Bluse kam der bequeme Pullover unter dem Namen Jumper oder Sweater auf. Die Abendkleidung war im Schnitt der Tageskleidung ähnlich. Vorder- und Rückendekolleté waren gleich groß und wurden von Spaghettiträgern gehalten. Lose herabhängende Perlenschnüre, Fransen aus Affenpelz und Seide waren häufiger Schmuck der Abendkleider. Die einheitliche Modefrisur war der Bubikopf. Die Garconne-Mode, bei der Frauen Herrenanzüge trugen, schrieb eine streng zurückgekämmte Herrenfrisur vor, genannt „Eton boy“. Mit dem Wandel von Kleid und Frisur kamen Topf-, Glockenhüte, Toques und Turbane in Mode. Die Hüte wurden tief ins Gesicht gezogen, sodass oft nur ein Auge zu sehen war. Auch der Kunstseidenstrumpf setzte sich durch. Als Schuh bevorzugte man einen bequemen Spangenschuh. Zum luxuriösen Abendkleid gehörten Lack- und Schlangenlederschuhe. Mit der Schminke wurde die Frau zum modischen Typ, man versuchte, das Verruchte, Vampartige zu unterstreichen.

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10. Dreißiger Jahre (DRJ)

Möbel
In den dreißiger Jahren wurden häufiger Möbel mit Furnieren gefertigt, da diese günstiger waren als die massiven Stücke. So konnten sie sich auch die breite Masse leisten. Nun wurden vermehrt auch andere Materialien als Holz verwendet. Stuhl- und Tischbeine wurden etwa aus Stahl gefertigt. Während des Krieges wurde diese Produktion wieder eingestellt und schlichte Formen kamen zum Einsatz. Insgesamt bestimmten wieder wuchtigere Möbel aus dunklem Holz das Wohnbild. Sofas hatten meist einen geblümten Bezug und die Rückenlehnen hatten eine hohe, geschwungene Form.

Kleidung
Die Herrenmode blieb konservativ und änderte sich während des ganzen Jahrzehnts kaum.
Das Sakko war auf Taille gearbeitet und eng um die Hüften gehalten. Das Revers war breit und kurz. Die Hosen, mit Umschlag, saßen bequem, waren gerade und weit geschnitten. Die Weste war einreihig und ebenfalls auf Taille gearbeitet. Als Modefarben dominierten marineblau, eisengrau, muskat- und havannafarben. Die Krawatten waren breit und meist mit Punkt- oder Streifenmuster. Als Abendanzug wurde der Smoking getragen. Man beschränkte sich auf drei Manteltypen: den Paletot (Blazermantel), den Ulster (zweireihig mit großen Taschen) und den Regenmantel. Zur lässigen Kleidung wurde ein breitkrempiger Hut getragen. In der Frauenmode hatte sich bereits gegen Ende der zwanziger Jahre eine neue Modelinie angekündigt. Prägend waren hier Stars wie Greta Garbo, Marlene Dietrich und Zarah Leander. Die Kleider waren länger geworden, das wadenlange Prinzesskleid wurde bestimmend. Nur ein schmaler Gürtel betonte die schmale Taille. Um die Hüften lag es eng an und wurde zum Saum hin glockig. In den Jahren 1933/34 änderte sich die Silhouette, indem der Oberkörper stärker betont wurde. Die Schultern wurden durch große Puffärmel, breite Kragen oder kurze Boleros hervorgehoben. Gleichzeitig wurden die Röcke kürzer. Falten- und Glockenröcke, Hahnentritt, Pepita, Streifen- und Punktmuster kamen auf. Mit der figurbetonten Kleidermode kam das Mieder wieder zum Einsatz. 1938 bekamen die Kostüme ein uniformartiges Aussehen: breite, unterlegte Schultern, strenge Revers, Schulterklappen und Manschettenringe. Beliebt bei Abendkleidern waren Rückendekolletés in V- oder U-Form, sowie schulterfreie Kleider, stets bodenlang mit kleiner Schleppe. 1930 verwandelten sich die eng anliegenden Kappen der zwanziger Jahre in kleine, flache Hüte. 1936 kamen große Tellerhüte sowie spitze Hüte in Kegelform auf. Die Frisurenmode schrieb zunächst kinnlanges, leicht gelocktes Haar vor, das die Ohren nicht bedecken durfte. Die Lippen wurden dunkelrot geschminkt. Die Augenbrauen wurden ausgezupft oder rasiert und mit einem Stift nachgezogen. Dirndl, Lodenkostüm und Trachtenanzüge kamen ebenfalls in Mode. Die Schuhe waren relativ spitz und mit einer Lochverzierung auf der Kappe versehen. Sportschuhe hatten derbe Kreppsohlen.

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11. Vierziger Jahre (FUJ)

Möbel
Möbel aus diesem Jahrzehnt haben ihren ganz eigenen Stil. Die Küchen bestanden oft aus einzelnen Schränken und Büffets mit geraden Formen und waren ganz in weiß gehalten. Sofas und Sessel hatten meist geschwungene Formen und einen geblümten Bezug. Wohnzimmervitrinen und Anrichten wurden aus massivem Wurzelholz zum Teil in Handarbeit und mit aufwendigen Schnitzereien gefertigt. Auch die Schlafzimmermöbel bestanden aus Echtholz. Die Betten waren sehr groß und die dazugehörigen Nachtkästchen eher hoch. Hohe, geschwungene Holzteile zierten die Bettenden.

Kleidung
Während des Zweiten Weltkriegs änderte sich die Herrenkleidung kaum. Man trug auch zu privaten Anlässen meist Uniform. Nach Kriegsende wurde zunächst die vorhandene Garderobe aufgetragen. Der Sakkoanzug war dabei der Standardanzug. Die sog. „Kombination“ kam auf: Sakko gemustert, Hose einfarbig. In der Damenmode unterbrachen Stoffrationierung und der Zwang, sich praktisch zu kleiden, zunächst jede modische Entwicklung. Die vor Beginn des Zweiten Weltkriegs herrschende Mode veränderte sich nur unwesentlich. Die Kostüme bekamen einen noch stärkeren Uniformcharakter und unterschieden sich oft kaum von einem Herrensakko. Lediglich die Betonung der Taille verriet die weibliche Linie. Bei Prinzesskleidern und Röcken verschwanden infolge der Stoffrationierung Falten und Glocken. Die Keilabsätze der Schuhe wurden plumper und hatten zum Teil Holz- oder Korksohlen. Die Frisuren wurden höher und die Hüte nahmen groteske Formen an. Um die Haare vor Staub und Schmutz zu schützen, trug man auch ein Tuch, das man in einer Schleife auf den Scheitel band. Aus Mangel an Seidenstrümpfen wurden Söckchen getragen. Im Jahr 1947 entwickelte Christian Dior mit seinem „New Look“ eine grundlegend neue, revolutionäre Modelinie. Die neuen wadenlangen, glockig weiten Röcke, die die Taille noch schmaler erscheinen ließen, und die natürlich abfallenden Schultern strahlten Eleganz und jugendliche Beschwingtheit aus. Dazu gehörten ein breitrandiger Hut, Schuhe mit flachen Sohlen und hohen Absätzen, eine farblich abgestimmte Handtasche und Handschuhe. Die Frisur war kurz und leicht gelockt. Diors New Look beeinflusste die Modeszene zusehends. In seiner zweiten Kollektion stellte Dior eine Alternative zum New Look vor, die sogenannte „Enge Linie“ oder „Bleistiftlinie“. Das Oberteil war ebenfalls figurbetont, der Rock war schmal geschnitten, betonte die Hüfte, hatte, wie schon der „New Look“, die Kleiderlänge von 30 cm über dem Boden und benötigte einen Gehschlitz, den sogenannten Dior-Schlitz.

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12. Fünfziger Jahre (VIJ)

Möbel
Die fünfziger Jahre sind inzwischen zum jüngsten unter den alten Stilen vorgerückt und können als historische Epoche gelten. Als Fifties genießt dieses Jahrzehnt des kalten Kriegs, der Atombombenbedrohung, des Wiederaufbaus und einer unbeschreiblich vielfältigen Formenwelt in den USA, England, Frankreich, Italien, auch in Deutschland neue und interessierte Wertschätzung. Wie zwischen den beiden Kriegen in kurzlebiger und hektischer Zeit der sogenannte Art-Déco-Stil entstand, der als modischer Weltstil Theaterdekorationen, Mode, den Nippes des kleinen Mannes wie auch die teuersten und mondänsten Villenausstattungen eines Botschafters mitbestimmte, entstand nach dem Zweiten Weltkrieg in den westlichen Ländern ein neues Stilbild. Nach den Entbehrungen eines gewonnenen oder verlorenen Krieges äußerten sich die fünfziger Jahre vor allem in einer neuen Generation von Gebrauchsgütern. Auto, Kühlschrank, Cocktailsessel, Nierentisch und Tütenlampe zeigen die Wünsche der neuen Epoche. Alles drehte sich um Wohlstand und Lebensstandard.

Waren im Art-Déco die kantigen, kubischen, abgetreppten Konturen noch ein Leitbild, brachte die Kunststofffertigung ein neues, rundes, weiches Formbild mit sich. Der rechte Winkel wich der sanft modellierten Form. Eine neue Produktsprache war schon durch die Möglichkeit des Plastikgusses entstanden: Gießkannen der fünfziger Jahre wurden zu durchmodellierten „Skulpturen“, die sich als selbsttragende Strukturen stabilisierten, Plastikverkleidungen machten Staubsauger zu fließenden, weichen Gebilden, Radiogehäuse wölbten sich und verschmolzen zu modernen Kunstgebilden, weil die Designer nicht mehr die Sprödigkeit konventioneller Materialien berücksichtigen mussten.
(Buch „Die 50er Jahre Möbel und Ambiente, Design und Kunsthandwerk“ Albrecht Bangert, 1985, S. 144ff)

Kleidung
Im Februar 1947 präsentierte Christian Dior seine erste Kollektion, die als „New Look“ bestimmend wurde. Im Verlauf der fünfziger Jahre präsentierte Dior in jeder Saison eine neue „Linie“, u. a. die H-Linie, die A-Linie, die Y-Linie. Jede dieser Kreationen hatte enormen Einfluss auf die Damenmode. Die Herrenmode blieb jedoch zunächst eher konventionell. Das Sakko veränderte sich kaum, bis sich aus den USA die V-Linie verbreitete. Die Merkmale waren breite Schultern und schmale Hüften. Die Kombination von Sakko, Weste und passender Hose, getragen in gedeckten Farben mit weißem Hemd und schmaler Krawatte, wurde zum wichtigsten Standard. Der Hut war ein unbedingtes Accessoire. Populär waren Nylon- und Perlonhemden. Mit dem Rock n´ Roll entstand das neue Phänomen der Jugendmode. Die männlichen Vertreter der Jugendkultur trugen Jeans und Lederjacke wie die amerikanischen Vorbilder James Dean oder Marlon Brando. Nach dem Vorbild Elvis Presleys trug man die Haare vorne lang und frisierte sie mit Gel oder Pomade zu einer Tolle. In der Damenmode übernahmen Schauspielerinnen wie Audrey Hepburn, Sophia Loren und Marilyn Monroe eine wesentliche Vorbildfunktion. Darüber hinaus eroberten günstige und pflegeleichte Synthetikstoffe den Markt, u. a. Perlon und Nylon. Grundlegender Bestandteil der Kleidung waren Röcke: Schwingende Tellerröcke und schmale Bleistiftröcke. Sie waren wadenlang bzw. kurz über das Knie und hatten häufig breite Streifen und Punktmuster in auffälligen Farben. Dazu trug man eine Hemdbluse, ein Twinset und eine Kastenjacke. Die Oberteile waren eng geschnitten, die Taille stark akzentuiert. Hüften, Po und Busen wurden betont, wobei auch Mieder und Polster eingesetzt wurden. Die Hose fungierte als reine Freizeithose. Besonders beliebt war die Caprihose. Die Haare waren in der Regel kinn- oder schulterlang und in Wellen gelegt. Handschuhe, Hut, Pumps und Tasche, gerne aus Krokodilleder, wurden aufeinander abgestimmt. Nylonstrümpfe waren begehrt und teuer. Als Abendgarderobe wurde das Cocktailkleid populär, dazu wurden enge, spitze Schuhe und eine toupierte Frisur getragen. Junge Frauen trugen im Zuge der neuen Jugendkultur sehr weite Röcke und darunter einen Petticoat, die Haare zum Pferdeschwanz gebunden. Man betonte die Augen mit einem starken schwarzen Lidstrich, Nagellack und Lippenstift in knalligen Farben wurden populär, ebenso Stöckelschuhe mit Pfennigabsatz.

Fünfziger Jahre Fünfziger Jahre Fünfziger Jahre Fünfziger Jahre Fünfziger Jahre Fünfziger Jahre Fünfziger Jahre Fünfziger Jahre Fünfziger Jahre Fünfziger Jahre Fünfziger Jahre
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13. Sechziger Jahre (SEJ)

Möbel
In dieser Epoche gab es verschiedene Arten von Möbeln, insgesamt zeichneten sie sich jedoch alle durch ihre Einfachheit und Funktionalität aus. Außerdem waren runde Formen und ein futuristisches Design im Trend. Charakteristisch war weiterhin, dass man gewöhnliche Materialien wie Holz oder Stoff mit ungewöhnlichen Materialien wie Plastik vermischte. Darüber hinaus wurden in dieser Zeit viele Designideen aus den USA übernommen.

Kleidung
Die Sechziger Jahre gelten als die Zeit von Umbruch, Revolution und Freiheit. Zahlreiche Jugendbewegungen und musikalische Subkulturen von Beatnicks über Mods und Hippies entstanden, mit jeweils eigenen äußeren Erkennungszeichen. Aber auch Erwachsene standen zunehmend unter dem Einfluss der Popkultur. Prominente Stilikonen waren etwa Brigitte Bardot, Beatles, The Who, Twiggy, Jimmy Hendrix und Jaqueline Kennedy (im Kostüm von Coco Chanel).

In der Herrenmode dienten Anzug, Hemd und Krawatte weiter als Standard. Lediglich Details wurden verändert, die Anzüge wurden schmaler, die Silhouetten androgyner. Allgemein wurde die Kleidung farbiger, die Krawatten breiter und mit verschiedenen Mustern bedruckt. Die Mäntel wurden kürzer und der Rollkragenpullover erfreute sich großer Beliebtheit. Blue Jeans und T-Shirt feierten ihren Siegszug in der Freizeitkleidung. Für mehr Variabilität und Weichheit in der Männermode sorgten Rüschen, Blumen und lange Haare. Besonders in der Damenmode avancierte die Jugend zum Mode-Leitbild. Da die stärkste Käuferschicht inzwischen aus Teenagern bestand, musste Mode kostengünstig und „jung“ sein. Vor allem in England, und hier vor allem Mary Quant, gelang es, mit neuen Materialien Mode für die Jugend zu produzieren. Neben Plastik, Kunstleder oder PVC gab es auch Plüsch und Lack. Die Haute Couture passte sich an: Die Pret-a-porter-Mode entstand und wurde relativ günstig in Boutiquen verkauft. 1966 erfand Mary Quant den Minirock, der in Kombination mit der Feinstrumpfhose und Stiefeln seinen Siegeszug antrat (André Courrèges). Es gab den Weltraum-Look, die Op-Art-Mode, die Hippie-Mode und den Transparent-Look. Diese wurden aber nur von einer Minderheit getragen. Setzten anfangs noch Trägerröcke, Hosenanzüge und eher knabenhafte Modelle den Trend, wurde ab 1965 eher auf provozierende, schrille Mode wie Schlaghosen oder Hosen mit Seitenschlitzen gesetzt. Hosen wurden Ausdruck der neuen Selbstverständlichkeit der Frau.

Sechziger Jahre Sechziger Jahre Sechziger Jahre Sechziger Jahre Sechziger Jahre Sechziger Jahre Sechziger Jahre Sechziger Jahre Sechziger Jahre Sechziger Jahre Sechziger Jahre Sechziger Jahre Sechziger Jahre Sechziger Jahre
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14. Siebziger Jahre (SIJ)

Möbel
Zu dieser Zeit waren die Möbel noch aus festem Holz und es gab sie in vielen bunten und knalligen Farben. Besonders orange und gelb waren die dominierenden Farben. Typisch waren geschwungene Formen, runde Sessel mit Metallfüßen, Sessel in Form eines halben Eis, Sitzsäcke, bunt gemusterte 5-Sitzer-Sofas, Regale in quadratischer Form mit abgerundeten Ecken, schwere, flauschige Teppiche und große, bunte Lampenschirme. Natürlich durften auch farbenfrohe Mustertapeten nirgends fehlen. In den Küchen waren die sogenannten Küchenbüffets im Trend, d.h. Schränke mit Aufbau, die in der Mitte Klapptüren hatten. Die übrigen Küchenmöbel hatten oft Metallbeine und waren mit Kunstleder überzogen.

Kleidung
Die Mode der siebziger Jahre war die Fortführung des vergangenen Jahrzehnts. Ausgefallene Schnitte, auffällige Accessoires, schrille, bunte Farben und Blumenmuster prägten das Bild. Hemden, Blusen und T-Shirts wurden oft gebatikt. Die Ideale der 68er und die Hippie-Bewegung spiegelten sich in der Mode wieder. In den siebziger Jahren entstanden auch die Punkbewegung, die Discomode und der Military-Look, mit dem Parka als beliebtestem Kleidungsstück.
Herrenanzüge und Sakkos waren schmal geschnitten und hatten große Revers. Die Hosen waren am Saum ausgestellt. Auch die Schlaghose war beliebt. Blue Jeans waren nicht mehr nur Arbeitskleidung, sondern setzen sich, vor allem bei Schülern und Studenten, als Alltagskleidung durch. Schuhe mit Plateausohlen wurden auch von Männern getragen. Vornehmlich junge Männer trugen Bärte, Koteletten und häufig lange Haare. In der Damenmode waren die Hot Pants eine Weiterentwicklung des Minirocks. Sie waren eng und sehr knapp geschnitten. Dazu wurden Stiefel getragen. Inspiriert von der Hippie-Bewegung entwarfen Mode-Designer lange Röcke und Kleider aus einfarbigen oder bunten Stoffen mit Blumenstickereien. Der Midi Rock, d. h. wadenlange Röcke, wurde wiederentdeckt. Als Rocklängen gab es Mini, Midi oder Maxi. Blusen und Oberteile waren eng geschnitten und hatten überdimensional große Kragen und Manschetten. Breite Gürtel mit auffallenden Schnallen betonten die Taille. Über einen Minirock oder Hot Pants trug man häufig einen Maximantel. Weltweit setzten sich die Schlaghosen durch, dazu kombinierte man gerne eine Weste oder einen Mantel in Midi-Länge. Schuhe und Stiefel hatten Blockabsätze und Plateausohlen. Ihre Haare trugen Frauen meist lang.

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15. Achtziger Jahre (ACH)

Möbel
In den 80er Jahren gab es viele Stilmixe. Für den Massenmarkt wurden Sperrholzmöbel und Stecksysteme produziert und Ikea begann seine Marktmacht auszubauen. Typisch waren grob gewonnene Stoffe, Teppiche in „Salz-Pfeffer-Struktur“, Schwarz-Weiß-Kombinationen, Edelstahl, braune Fliesen, eine Skyline-Wohnwand mit beleuchteter Vitrine, Holzimitatfolien sowie Leoparden- und Tigerfelldrucke. Die Wohnungen waren nach dem heutigen Geschmack übermöbliert und überdekoriert.

Kleidung
Das Symbol der 80er war der Yuppie (Young Urban Professional). „Dressed for success“ war das Motto und man achtete zunehmend auf Modelabels. Die Mode repräsentierten u.a. Fernsehserien wie Dallas, Denver Clan oder Miami Vice. StiIikonen waren u.a. Madonna, Grace Jones und Michael Jackson. Populär wurden Bodybuilding und Aerobic. Das Material Lycra hielt Einzug in Sport und Modewelt. Auch die Punkbewegung hatte sich etabliert und machte als Edel-Punk auf den Laufstegen Karriere.
Der männliche Yuppie trug den sog. Powerlook: Zweireihige Anzüge mit extrem ausgeformten Schulterpolstern. Dennoch wirkte die männliche Mode durch weiche, fließende Stoffe, schmale Lederkrawatten und bunte Schuhe insgesamt femininer. Die langfristig einflussreichste Jugendkultur in Sachen Mode waren Hiphop, Rap, House etc. Dazu wurde bequeme Sportswear benötigt. Den Style der schwarzen jungen Männer prägten Baggy-Pants, Turnschuhe und Baseballkappen, dazu wurden große Ketten mit Emblemen getragen. Diese Mode wurde von weißen Jugendlichen weltweit übernommen. Die weiblichen Yuppies trugen tagsüber ein stark tailliertes Powerkostüm mit ebenfalls extremen Schulterpolstern, kurzem, engem Rock und Bluse. Der Hosenanzug wurde Standard-Arbeitsbekleidung der weiblichen leitenden Angestellten. Im Gegensatz zur den dezent gehaltenen Farben der Arbeitskleidung steht die Abendmode: Glänzende Stoffe, schrille Farben, Ballonröcke, Puffärmel und sehr betonte Schultern. Frauen wie Männer trugen Karotten- und Bundfaltenhosen. Enge Jeans waren beliebt, bei Frauen auch Leggings und Bodys. Dazu wurden Blusen mit weiten Ärmeln oder wild gemusterte Pullover getragen. Um unter der weiten Kleidung die Taille zu betonen, griffen Frauen zu breiten Gürteln mit auffälligen Schnallen. Der Modeschmuck war überdimensional groß. Neon-Farben waren Trend und Accessoires in poppigen Farben erhältlich.

Achtziger Jahre Achtziger Jahre Achtziger Jahre Achtziger Jahre Achtziger Jahre Achtziger Jahre Achtziger Jahre Achtziger Jahre Achtziger Jahre Achtziger Jahre
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16. Neunziger Jahre (NEU)

Möbel
Auch in den 90ern gab es eine große Vielfalt an Stilen. Es setzten sich aber vermehrt große Einbaumöbel aus hellem Holz durch. Insgesamt setzten sich helle, freundliche Farben und Möbel aus Metall durch. Statt klobiger Lampen gab es jetzt integrierte Strahler und statt dicker Teppiche Laminat. Gleichzeitig entstand aber auch einen Trend zu Antikmöbeln. Außerdem wurde der Landhausstil neu erfunden. Bei den Küchenmöbeln setzte sich blau durch.

Kleidung
In den neunziger Jahren begannen Männer und Frauen, sich mit modisch zurückhaltenden Basics zu begnügen. Sie sind zweckmäßig, unauffällig und nicht protzig. Basics drücken sich in klassisch geschnittenen Blazern, Hosenanzügen, schmalen Röcken und Rollkragenpullis aus.
Der Nadelstreifenanzug ist jahrlang die androgyne Uniform schlechthin. Passend zum zeitgeistigen Motto „less is more“ wird ein naturfarbener Öko-Look in den frühen Neunzigern Mode. Schnell geht man aber zu Reprisen der Sechziger und Siebziger Jahre über. Man sieht wieder Schlaghosen, Fransen, Courrèges-Look und stilisierte Margeriten. Geometrics-, Pucci-Muster und das Jacky-Kennedy-Kleid erleben eine Renaissance. Modisches Vorbild der weiblichen Jugend ist der virtuelle Star Lara Croft mit bauchfreiem Shirt, knappen Shorts, Rucksack und Paraboots. Der Stil von preisgünstiger Streetwear und Designermode ähnelt sich immer schneller, so dass die Mode insgesamt einheitlicher wird. Aus dem Stil der zurückgenommenen Basics wird Mitte der Neunziger ein Modekult, der Minimalismus. Die führende Ästhetik besteht über Jahre aus schlichter Eleganz in Schwarz, später in Grau. Modische Reduziertheit verbannt häufig sogar Accessoires. Frisuren und Make-up folgen dem Trend zum Understatement. Gegen Ende der Neunziger entstand der Girlie-Look: Pokurze Satin-Minis, knappe Tops, Kleingeblümtes, manchmal Kniestrümpfe und eher kindliche Schuhe. Sportschuhe werden zur bequemen Footwear, Bequemlichkeit und Komfort werden zur modischen Prämisse. Neue Materialien aus Stretch und Mikrofasern tragen diesem Bedürfnis Rechnung. Im Gegensatz zum Minimalismus der Tageskleidung ist am Abend alles erlaubt. Man zeigt viel Haut, Transparenz, Glanz, Pailetten, Federn und Pelz.

Neunziger Jahre Neunziger Jahre Neunziger Jahre Neunziger Jahre Neunziger Jahre Neunziger Jahre Neunziger Jahre Neunziger Jahre
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17. Jahrtausendwende (JTW)

Möbel
In dieser Zeit kam es zu einem Minimalismus Trend. Überladene Dekorationen wurden entsorgt. Trend war alles in weiß mit wenigen Naturholzmöbeln. Es gab aber auch eine Strömung hin zu Retromöbel der 50er, 60er und 70er.

Kleidung
Das erste Jahrzehnt der 2000er Jahre war geprägt von vielen unterschiedlichen Modeströmungen. Einen bestimmten Dresscode schien es nicht mehr zu geben. Insgesamt war es ein Revival der vergangenen Jahrzehnte, bis hin zu den Fünfzigern. Dabei wurden nur die Silhouetten verändert und Stücke neu kombiniert und interpretiert. Tunika, Hüfthose, große Sonnenbrillen und Keilabsätze aus den Siebzigern, Leggings aus den Achtzigern und karierte Flanellhemden aus den Neunzigern. Ein prägnanter Look in den Jahren nach 2000 ist die Tunika, kombiniert mit extra engen Röhrenhosen, dazu eine XL-Handtasche, sowie eine oversized Sonnenbrille plus Ballerinas. Die Spanne der Trendfarben reichte von knalligen Farben bis hin zu Pastell- und Pudertönen und dem Nude-Look. Daneben setzten sich auch dunklere Farben wie Tiefschwarz, militärische Grünschattierungen und dunkle Blautöne wieder durch. Auch andere Trends blühten wieder auf, so z. B. der Marine-Look und der Militäry-Look, der Frauen- wie Männermode gleichermaßen beeinflusste. In der Herrenmode ist eine schlichte Jeans unverzichtbar, Nieten und zerrissene Elemente gelten eher als szenetypisch. Der Businesslook wird weiterhin von Männern und Frauen getragen, gerne in Kombination mit einem Trenchcoat. Zeichen des „Fake Look“ sind dauerhaft gebräunte Haut, Extensions, gebleichte Zähne, künstlich geglättete Haare, operierte Brüste und mit Botox geglättete Falten. Unabhängig davon setzen sich auch Tattoos immer stärker durch.

Jahrtausendwende Jahrtausendwende Jahrtausendwende Jahrtausendwende Jahrtausendwende Jahrtausendwende Jahrtausendwende Jahrtausendwende Jahrtausendwende Jahrtausendwende Jahrtausendwende Jahrtausendwende
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18. ab 2010 (Z10)

Möbel
Ab 2010 sind die Möbel Trends sehr unterschiedlich: einerseits gibt es Strömungen puristischer Natürlichkeit, andererseits auch rustikale, gemütliche Stile und Designexperimente. Es kommt sowohl zu einem Mix der Materialien wie Leder, Holz, Furnier oder Kork als auch zu einem Mix der Farben, so treffen etwa Flieder und Apricot auf Grün oder Himmelblau. Generell steht oft die Gemütlichkeit im Mittelpunkt, es gibt ausladende Sessel und Sofas, plüschige Teppiche und viele Kissen. Der Purismustrend nimmt sich die Natur als Vorbild und entwirft organische Formen in möglichst dezenten Tönen.

Kleidung
Auch zu Beginn des aktuellen Jahrzehntes ist die Mode geprägt von Revivals der vergangenen Jahrzehnte. Ein verbindlicher Dresscode ist nicht zu erkennen. Der Trend liegt eher darin, seinen eigenen Stil zu verwirklichen. Knallige Farben und der Modetrend Schwarz-Weiß scheinen dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Die Garconne-Mode der zwanziger Jahre, aber auch der Gypsy-Look werden in diesem Rahmen wiederentdeckt. Auch der Retro-Look der siebziger Jahre spielt eine wichtige Rolle. Die Kombination von Lack, Leder und Spitze ist ebenso aktuell wie Applikationen, irisierende Riesen-Pailletten oder Nieten-Ornamente. Auch Obst- und Gemüse-Prints setzen neue Akzente.

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